Buchreport | Mai 2008

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Stefan Schuelke handelt mit Büchern, die man gesehen haben muss.
Das Internet dient dem Antiquar als Ergänzung des stationären Handels.

Das Antiquariat ist nicht tot

Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Freiburg hat er sich ab 1994 bei Walther König in Köln zum Buchhändler ausbilden lassen. Nach einem Jahr als Assistenz der Verlagsleitung beim Künstlerbuchverlag Editions Picaron in Paris hat er ab 1998 für Walther König in Köln die Abteilungen Künstlerbuch und Antiquariat aufgebaut und geleitet. Seit November 2007 hat er sein eigenes Kölner Ladenantiquariat, Stefan Schuelke Fine Books. Stefan Schuelke hat Anfang November 2007 auf der Kölner Palmstraße sein erstes eigenes Antiquariat eröffnet. Der gebürtige Ulmer konzentriert sich besonders auf Kunst- und Fotografiebände, aber auch auf besondere Ausgaben aus den Bereichen Literatur und Philosophie.

Hat das stationäre Antiquariat noch Zukunft?
Sehr viele Antiquariate schließen, weil es starke strukturelle Veränderungen im Antiquariatsbuchhandel gibt. Das heißt aber nicht, dass der antiquarische Handel tot ist. Zahlreiche Antiquariate, die jetzt zumachen, führen noch ein allgemeines Sortiment und haben von Militaria bis Botanik alles da. Viele Leute bestellen ihre Bücher inzwischen im Internet; die Zahl der klassischen Antiquariatsstöberer, die sich früher durch ein wahres Sammelsurium gearbeitet haben, ist dadurch stark zurückgegangen. Man braucht die Spezialisierung auf bestimmte Themen.

Welche Folgen hat das Internet für das Preisniveau?
Ins Internet stellen inzwischen auch sehr viele Privatanbieter ihre Bücher. Bildbände, die früher 80 bis 90 Euro gekostet haben, sind jetzt für 5 Euro im Netz zu finden. Das heißt, die Schere zwischen den Büchern, die wirklich gesucht sind, und der Massenware geht immer weiter auseinander.

Sie verkaufen aber auch übers Netz ...
Ja, ich biete meine Bücher über das ZVAB an, momentan erst 300 bis 400 Titel, aber das werde ich jetzt nach und nach ausbauen. Der Internethandel ist eine wertvolle Ergänzung und macht ein Drittel meines Umsatzes aus. Aber für mich steht im Vordergrund – und deshalb habe ich mich für ein Ladenlokal entschieden –, mit Büchern zu handeln, die man einfach in der Hand gehabt haben, die man einfach sehen muss. Auch das Gespräch mit dem Sammler ist wichtig. Ein Buch, das 10.000 Euro kostet, möchte ich nicht übers Internet anbieten. Viele Händler beklagen die Transparenz des Internets. Dass der Sammler heute genauso gut informiert sein kann wie der Händler, sehe ich aber auch als Vorteil, weil man sehr viele wichtige Hinweise oder Tipps vom Sammler selbst bekommt.

Hat sich das Sammlerverhalten verändert?
Ja, es beginnt damit, dass viele Leute heute keine Literatur mehr in Fraktur lesen können oder wollen und dass dadurch beispielsweise die Klassikerausgabe von Goethe kein einfaches Handelsobjekt mehr ist. Es gibt natürlich noch die bibliophilen Sammler, aber die suchen dann eben auch ganz gezielt Erstausgaben, wertvolle Einbände oder Pressedrucke. Junge Sammler konzentrieren sich gern auf Fotobildbände. Lektüre und Text sind etwas in den Hintergrund gerückt und es geht dann eher um Bücher, zu denen man leichter Zugang findet, die auch optisch etwas hermachen, also statt der bescheiden daherkommenden Erstausgabe von Hölderlins „Hyperion" eher um einen Bildband von Andreas Gursky.

DIE FRAGEN STELLTE INGO SCHIWECK